< Workshop 21. Juni 2018

[4] Wirkungen von Offenheit in den Modellprojekten

> Teil 5: Nächste Aufgaben und Aktivitäten im Projekt

Ergebnisse der Gruppenarbeit

Auf der Basis der methodischen Überlegungen zu den Wirkungszusammenhängen im Open Government konnten anschließend erste Erfahrungen der Modellkommunen diskutiert werden. Dies erfolgte erneut in einer moderierten Gruppenarbeit – wiederum nach Kommunaltypologien gegliedert. Dazu reflektierten die Teilnehmer*innen jeweils ein ausgewähltes Modellprojekt ihrer Gruppe im Detail. Sie untersuchten, welchen Einfluss eine bewusste Öffnung der Projektarbeit im Sinne des Open Government auf die Ergebnisse und Wirkungen des Projekts hatte oder – falls die Perspektiven von Offenheit noch nicht systematisch angewendet wurden – hätte haben können.

Einzelne Aspekte von Offenheit zahlen sich bereits aus

Die anschließende Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse im Plenum machte deutlich, dass durchaus Zusammenhänge zwischen Offenheit einerseits und den Ergebnissen und Wirkungen der Projekte andererseits erkennbar sind. Gleichwohl ist die Projektarbeit der Modellkommunen bislang noch kaum bewusst unter dem Primat von Offenheit gestaltet gewesen. Positive Auswirkungen entstanden dort, wo sich Verfahrensweisen der Öffnung bereits in der Vergangenheit herausgebildet hatten ohne dass sie notwendigerweise als Aspekt von Open Government positioniert wurden – beispielsweise im Zusammenhang mit Partizipation und Open Data. Weitere Open-Government-Potenziale blieben noch ungenutzt.

Modellprojekte im Sinne von Open Government schärfen

Für die weitere Projektarbeit muss es also gelingen, die Projektakteure in den Modellkommunen zu sensibilisieren und zu befähigen, alle Handlungsfelder des Open Government für ihre konkrete Aufgabe zu reflektieren, die damit verbundenen Perspektiven von Offenheit bewusst zu gestalten und deren Wirkungen zu erfassen. Auf diese Weise werden die Modellkommunen weitere Erkenntnisse darüber gewinnen können, in welchem Maße und unter welchen Voraussetzungen Open Government tatsächlich positive Wirkungen auf kommunales Handeln zeitigt.

Open Government im Beispiel: Modellprojekt »Kulturschatz Merseburg«

Die oben beschriebene Vorgehensweise soll im Folgenden beispielhaft anhand der Ergebnisse einer der Gruppen illustriert werden. In der Gruppe der Vertreter*innen von Landkreisen wurden die Erfahrungen im Modellprojekt »Kulturschatz Merseburg« (Landkreis Merseburg) diskutiert.

Ausgangssituation

  • Die reichen kulturellen Ressourcen in der Region Merseburg waren bislang nicht ausreichend bewusst gemacht und nicht systematisch genug für die Regionalentwicklung erschlossen.
  • Die im kulturellen Bereich tätigen Akteure waren unzureichend vernetzt.

Projektvorgehen

  • Über Analysen, offene Werkstätten und Diskussionen wurden kulturelle Potenziale, Angebote und Akteure identifiziert und miteinander vernetzt. Auf dieser Basis konnten grundlegende gemeinsame Initiativen im Kulturmarketing entwickelt und umgesetzt werden.

Erreichte Ergebnisse

  • Entwicklung und Positionierung einer Dachmarke »Kulturschatz Merseburg«
  • Einrichtung einer Koordinationsstelle für kulturelle Angebote
  • Entwicklung und Inbetriebnahme eines Online-Veranstaltungskalenders
  • Systematische Sammlung von kulturellen Initiativen und Anregungen (»Ideenspeicher«)

Die folgende Aufstellung illustriert skizzenhaft Zusammenhänge zwischen den Aktivitäten und Erfahrungen in den einzelnen Open-Government-Perspektiven und den daraus entstandenen Einflüssen auf die Wirkungen des Projekts.

Öffnung für das umfassende Informationsbedürfnis der Gesellschaft zu kommunalen Zielen, Entscheidungen und Aktivitäten (Transparenz)


Bedeutung im Projekt

Umfassende Transparenz trug entscheidend zum Erfolg des Projekts bei. Von besonderer Bedeutung war das in Bezug auf die divergierenden Interessen der Anbieter kultureller Leistungen: Ihr Vertrauen in den Prozess und dessen Ergebnisse war unabdingbar für die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und für die Akzeptanz der Projektergebnisse.


Einfluss auf die Wirkungen des Projekts

  • ↑ Bereitschaft zur Mitarbeit im Projekt
  • ↑ Vertrauen der Projektakteure untereinander
  • ↑ Identifizieren von Kooperationspotenzialen
  • ↑ Handhabbarmachen von Interessenkonflikten
  • ↑ Akzeptanz der Projektergebnisse

Öffnung für den Dialog mit gesellschaftlichen Anspruchsgruppen in der Meinungsbildung, Entscheidung und Umsetzung kommunaler Aufgaben (Partizipation)


Bedeutung im Projekt

Das Projekt ist konsequent partizipativ umgesetzt worden: Alle Werkstätten und Diskussionen waren für die jeweiligen Zielgruppen offen. Die dort erarbeiteten Lösungsansätze und Initiativen wurden im Ergebnis gemeinsamer Diskussionen erarbeitet und abgestimmt.


Einfluss auf die Wirkungen des Projekts

  • ↑ Vernetzung der Projektakteure untereinander
  • ↑ Fachliche Impulse bei Analyse und Bewertung
  • ↑ Fachliche Impulse bei der Lösungsfindung
  • ↑ Akzeptanz der Projektergebnisse

Öffnung für Impulse aus der Gesellschaft, um kommunale Themen zu setzen und Aktivitäten auszulösen (Kooperation)


Bedeutung im Projekt

Das Projekt entstand im Ergebnis von Initiativen der Anbieter kultureller und touristischer Leistungen.


Einfluss auf die Wirkungen des Projekts

  • ↑ Themensetzung in einem gesellschaftlich relevanten Problemfeld
  • ↑ Initiative für das Modellprojekt

Öffnung dafür, die Fähigkeiten und Kompetenzen der Gesellschaft in die Vorbereitung und Umsetzung kommunaler Aufgaben und Innovationen einzubeziehen (Kooperation)


Bedeutung im Projekt

Die Entwicklung der Dachmarke, des Online-Veranstaltungskalenders sowie kooperativer kultureller Angebote erfolgte im engen Zusammenwirken mit den Anbietern kultureller und touristischer Leistungen.


Einfluss auf die Wirkungen des Projekts

  • ↑ Fachliche Bereicherung bei Analyse und Bewertung
  • ↑ Fachliche Bereicherung bei der Lösungsfindung
  • ↑ Synergetische Begleitung bei der Umsetzung der Lösungen
  • ↑ Mitwirkung bei der Qualitätssicherung

Offenheit für neue Antworten auf kommunale Fragestellungen und Aufgaben (Ergebnisoffenheit)


Bedeutung im Projekt

Während die Wirkungsziele für das Projekt aus der Situationsbewertung heraus bereits fixiert waren, wurden konkrete Ergebnisse erst im Verlaufe des Projekts identifiziert, umgesetzt und erprobt.


Einfluss auf die Wirkungen des Projekts

  • ↑ Gewährleisten der Effektivität der Projektergebnisse

Offenheit für neue Verfahrensweisen und Kommunikationswege in der Gestaltung und Umsetzung kommunaler Aufgaben (Prozessoffenheit)


Bedeutung im Projekt

Die ursprünglich für das Projekt geplante Vorgehensweise (Umsetzung im Rahmen eines Landesförderprogramms) erwies sich als fachlich ungeeignet. Die Projektstrategie wurde daher im Projektverlauf angepasst und ein alternativer Weg gefunden, die intendierten Wirkungen zu erreichen.


Einfluss auf die Wirkungen des Projekts

  • ↑ Gewährleisten der Zielerreichung im Projekt

Offenheit beim Einsatz von Informationstechnik, d.h. Sichern von Interoperabilität sowie Verwenden offener Standards, offener Schnittstellen, offener Daten, offener Software, offener Hardware etc.


Bedeutung im Projekt

Informationstechnik spielt im Projekt nur im Bezug auf den Online-Veranstaltungskalender eine Rolle. Aspekte von Offenheit wurden bislang noch nicht adressiert.


Einfluss auf die Wirkungen des Projekts

  • ↑ perspektivisch: Zurverfügungstellung von Angebots- und Veranstaltungsdaten als Open Data

Offenheit für die Einbeziehung der Beschäftigten in den Kommunal-verwaltungen in die Veränderungs-prozesse in kommunalen Organisationen (interne Partizipation)


Bedeutung im Projekt

Diese Dimension von Open Government spielte im Projekt eine untergeordnete Rolle. Zwar setzten sich die Projektverantwortlichen mit den Konzepten von Offenheit auseinander, jedoch waren nachhaltige Veränderungen in den kommunalen Strukturen nicht Gegenstand des Projekts.

 

Text: Neutzner | Fotografien: Kalinowski